Start ADHS / ADS bei Erwachsenen

ADHS bei Erwachsenen

 

Hier ein kurzer Überblick über die Symptomatik und die Behandlungsfaktoren für ADHS / ADS bei Erwachsenen.

 

Symptomatik:

- Mangel an Aufmerksamkeit: Konzentrationsstörungen, Desorganisiertheit, geistiger Abwesenheit, Zerstreutheit, Vergesslichkeit, hohe Ablenkbarkeit, springen von einer Idee zur nächsten, können nie lange bei etwas bleiben, organisatorisches Chaos

- Impulsivität: rasche, unbedachte Entscheidungen und Aktivitäten

- Rasche Stimmungswechsel im affektiven Erleben, Tendenz zu schnell aufwallenden aggressiven Regungen, innere Leere, Unzufriedenheit

- Motorische Hyperaktivität zeigt sich bei Erwachsenen kaum noch, mehr inneres Gefühl der ständigen Unruhe und „auf dem Sprung sein“, nicht gut abschalten können

Verlauf:

Entscheidend für den Verlauf ist nicht die Grundsymptomatik, sondernd die sich daraus ergebenden psychosozialen Konsequenzen. Kinder mit ADHS entwickeln sehr früh ein Gefühl von Unzulänglichkeit und Minderwertigkeit, das oft zu einem dauerhaft herabgesetztem Selbstwertgefühl führt. Ausbildungen werden häufig abgebrochen, konstante Beziehungen gelingen kaum. Arbeitslosigkeit und Scheidungen sind daher häufig

Aber: ADHS auch als „Ressource“ (Energie, Neugier, Risikobereitschaft, Kreativität, Fantasie, rasche Auffassungsgabe, Anpassungsfähigkeit, Hyperfokussieren) – in bestimmten Berufsgruppen häufig vertreten!! (Werbebranche, Vertriebstätigkeit, viele kreativen Berufe, Gastronomie)

Komorbidität:

Substanzmissbrauch/-abhängigkeit, affektive Störungen, Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen (v.a. dissoziale und emotional instabile PS)

Epidemiologie:

3-10% der Kinder, jedes 10. Kind zeigt das Vollbild bis ins Erwachsenenalter, 80% zeigen leichter ausgeprägte Restsymptomatik.

Prävalenz bei Erwachsenen bei 1-2%, Männer: Frauen 2:1.

Aber: Nicht alle sind behandlungsbedürftig: Symptomatische ADHS / ADS ohne Krankheitswert bei vorliegenden Symptomen, die aber nicht zu Nachteilen führen (berufliche und private Nischen wurden erfolgreich gefunden)

Ätiologie:

Biologisch- genetische Faktoren (5-8 – fach erhöhtes Erkrankungsrisiko für Verwandte ersten Grades)

Veränderung des Dopaminstoffwechsels

Diagnose und Differentialdiagnose:

Wender Utah Rating Scale

Konzentrations- und Aufmerksamkeitstests

Retrospektive Diagnostik notwendig: Berichte aus der Kindheit und Schulzeit (Symptome müssen vor dem 6. Lebensjahr begonnen haben)

Therapie:

- Pharmakotherapie: ca. 50% sprechen positiv auf Stimulanzienbehandlung an (bei Kinder ca. 70%): Ritalin wird aber bei Erwachsenen nicht von der Krankenkasse übernommen!. Kontraindikation sind Suchterkrankungen und dissoziale PS. Dann (oder wenn MPH nicht wirkt) auch noradrenerg wirkende Antidepressive (in D noch nicht dafür zugelassen)

- Psychotherapie:

· angelehntes Konzept an dialektisch behaviorale Therapie der Borderline Störung von Linehan

· Wichtig ist Psychoedukation, Entwicklung von Fertigkeiten zum Umgang mit Stress und Emotionen, Verbesserung zwischenmenschlicher Fähigkeiten, verbesserte Selbstwahrnehmung (Achtsamkeits- Training)

· Neue Untersuchungen zeigen Wirkung der Module „Organisation und Planung“ (Terminkalender, Zeitmanagement, Erinnerungssignale), „Bewältigung der Ablenkbarkeit“(Selbstinstruktionstraining, Fokussieren), „Kognitive Umstrukturierung“, „Bewältigung von Ärger“(Lernen von Gefühlsregulation- ich habe das Gefühl, nicht: ich bin das Gefühl, Impulskontrolle- Kennenlernen von auslösenden Situationen und Erarbeiten von Alternativverhalten) , „Kommunikative Fähigkeiten“ und „Stressbewältigung

· Entspannungstraining wenig hilfreich, besser sind Achtsamkeitsübungen

· Ausdauersport sehr effektiv

® Kombinierte Therapie aus Medikation und PT sinnvoll, auch daher, weil mit PT die psychosozialen Konsequenzen besser behandelt werden können


Woran wird in der Verhaltenstherapie gearbeitet?

  • Daueraufmerksamkeitsspanne (Verlängerung)
  • Verbesserung der Wahrnehmung (Stichwort: Erkennung von Körpersprache)
  • Systematisierung des Wahrnehmungsstils
  • Strategieerwerb zur Kompensation der sog. Affektlabilität (Stichwort plötzliche Erhöhung des Erregungsniveaus / Wut- und Verzweiflungsausbruch)
  • Strategieerwerb zur besseren Selbstorganisation (Ordnung; Zeit; Pflichten; etc.)
  • Verbesserung der graphomotorischen Umsetzung

Kurz gefasst: Ziel ist die Verbesserung der situationsangepassten Selbstdarstellung und der Umsetzungsleistungen